Osteomalazie

Osteomalazie

Als Osteomalazie bezeichnet man eine schmerzhafte Erweichung (Malazie) der Knochen bei Erwachsenen. Meist wird sie durch einen Vitamin-D-Mangel verursacht. Bei Kindern wird das Krankheitsbild als Rachitis bezeichnet.

Osteomalazie: Vitamin-D-Mangel häufige Ursache

Bei der Osteomalazie handelt es sich um eine Mineralisationsstörung der Knochen bei Erwachsenen. Sie hat zur Folge, dass die Mineralien Calcium und Phosphat nicht in ausreichendem Maße in die Knochen eingelagert werden. Dadurch verliert der Knochen an Stabilität – er wird zunehmend weicher und verformt sich.

Häufig wird die Erkrankung durch einen Vitamin-D-Mangel hervorgerufen. Dieser kann auf verschiedene Ursachen zurückgehen, so z. B.:

  • Unzureichende körpereigene Vitamin-D-Produktion
  • Zu geringe Vitamin-D-Aufnahme über die Nahrung
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
  • Gestörte Umwandlung von Vitamin-D-Vorstufen (z. B. infolge von Leber- oder Nierenerkrankungen)

Manchmal liegt der Osteomalazie auch ein Phosphat-Mangel (z. B. infolge von Nierenerkrankungen) zugrunde. Bestimmte Medikamente und angeborene Enzymdefekte kommen ebenfalls als Ursachen infrage.

Gut zu wissen: Heutzutage wird die Erkrankung in unseren Breitengraden nur noch selten diagnostiziert. Allerdings sind in Deutschland viele Menschen nicht gut mit Vitamin D versorgt. Daher sollte bei unklaren Knochenschmerzen im Zweifel auch abgeklärt werden, ob eine Osteomalazie die Ursache sein könnte.

Osteoporose & Osteomalazie

Krankheitsbilder

Osteomalazie (Knochenerweichung)

Der Mineralgehalt des Knochens nimmt ab. Die Knochen werden weich und verformen sich.

Osteoporose (Knochenschwund)

Es wird vermehrt Knochenmasse abgebaut, aber der Mineralgehalt bleibt gleich. Die Knochen werden porös und können leicht brechen.

Gut zu wissen: Es können auch Mischformen der beiden Erkrankungen auftreten.

Symptome der Osteomalazie

Das Hauptsymptom der Knochenerweichung sind dumpfe Knochenschmerzen, die anfänglich oft an besonders belasteten Bereichen des Skeletts – zum Beispiel an den Füßen, Beinen, im Becken und im späteren Verlauf auch an der Wirbelsäule – auftreten. Mit der Zeit kommt es auch zu Knochenverformungen und einer Muskelschwäche, die zum Beispiel Gehstörungen nach sich ziehen kann. Zudem steigt das Risiko für Knochenbrüche.

Osteomalazie: Symptome im Überblick

  • Dumpfe Knochenschmerzen
  • Druckempfindliche Knochen
  • Muskelschwäche, Gehstörungen (z. B. Watschelgang)
  • Muskelkrämpfe
  • Knochenverformungen vor allem im Bereich von Wirbelsäule, Hüfte und Kniegelenk (z. B. X- oder O-Beine)
  • Sturzneigung
  • Erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche

Gut zu wissen: Vor allem bei älteren Patienten werden die Schmerzen oft fälschlicherweise auf eine Rheumaerkrankung oder auf Arthrose (Gelenkverschleiß) zurückgeführt.

Vitamin D zur Vorbeugung der Osteomalazie

Um der Entwicklung der Erkrankung vorzubeugen, ist normalerweise eine Versorgung mit 800 bis 1000 Internationalen Einheiten (I.E.) Vitamin D täglich ausreichend. Für gesunde Erwachsene gelten die allgemeinen Empfehlungen für eine gute Vitamin-D-Versorgung:

  • Täglich „Sonne“ tanken: Um die körpereigene Vitamin-D-Produktion anzuregen, sollte man jeden Tag 5-25 Minuten lang ohne Sonnenschutz in die Sonne gehen, wobei etwa 25 % der Haut unbedeckt sein sollte. Doch Achtung! Hierzulande reicht die UV-B-Strahlung nur in den Monaten März bis Oktober aus, um die Eigensynthese von Vitamin D anzukurbeln
  • Vitamin-D-reiche Ernährung: Fettreiche Fischsorten wie Lachs, Hering und Sardinen sind gute Quellen für Vitamin D. Auch Milchprodukte und Pilze können zur Versorgung einen gewissen Beitrag leisten.
Vitamin-D-Unterversorgung: Risikogruppen
Senioren
Personen, die viel in Innenräumen sind
Chronisch Kranke
Bettlägerige, immobile Patienten
Menschen mit dunkler Hautfarbe
Menschen, die sich verhüllen
Säuglinge

Vitamin D zur Behandlung der Osteomalazie

In der Regel lässt sich die Erkrankung gut behandeln. In vielen Fällen ist sie sogar heilbar. Um die Mineralisation der Knochen zu fördern, ist in erster Linie eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D und Calcium erforderlich. Der Arzt verordnet in der Regel hochdosierte Vitamin-D-Präparate, die über einen längeren Zeitraum hinweg angewendet werden müssen: Zu Beginn werden täglich in der Regel 5000 bis 10 000 I. E. Vitamin D gegeben, die Erhaltungsdosis liegt bei 1000 bis 2000 I. E. pro Tag. Zusätzlich kann es auch erforderlich sein, die Phosphat-Zufuhr gezielt zu erhöhen.

Wichtig: Falls eine Grunderkrankung die Ursache für die Knochenerweichung ist, muss diese abgeklärt und gezielt behandelt werden.

Ist es bereits zu Knochenverformungen gekommen, können spezielle Schienen zur Stabilisierung (sogenannte Orthesen) oder chirurgische Eingriffe nötig sein.

Hätten Sie's gewusst?

Vitamin D wird auch als „Sonnenvitamin“ bezeichnet – denn mithilfe der Sonne (genauer: UV-B-Strahlung) kann es vom Körper selbst gebildet werden.

Bei Vitamin D handelt es sich um ein fettlösliches Vitamin. Zu den wichtigsten Formen zählen Vitamin D2 und Vitamin D3.

Unserer täglicher Vitamin-D-Bedarf muss zu 80 bis 90 Prozent über die körpereigene Vitamin-D-Produktion mithilfe von Sonnenlicht gedeckt werden.

In Deutschland reicht die Sonnenstrahlung nur zwischen März und Oktober aus, um genügend Vitamin D zu produzieren.

Für eine gute Vitamin-D-Versorgung wird empfohlen, in den Monaten März bis Oktober täglich 5 bis 25 Minuten in die Sonne zu gehen – mit 25 Prozent unbedeckter Haut und ohne Sonnenschutz.

Gesichtscremes und Makeup mit Lichtschutzfaktor können die Eigenproduktion von Vitamin D herabsetzen.

Menschen mit dunkler Hautfarbe haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. Der Grund: Melanin bremst UVB-Strahlung aus, die wir für die körpereigene Vitamin-D-Produktion benötigen.

Über die Ernährung können wir nur bis zu 20 Prozent unseres täglichen Vitamin-D-Bedarfs abdecken.

Es gibt nur wenige Lebensmittel, die Vitamin D in nennenswerter Menge enthalten. Insbesondere fetter Seefisch wie Lachs oder Hering spielt eine Rolle.

Vitamin D kann im Fettgewebe und der Muskulatur gespeichert werden.

Mit zunehmendem Alter lässt die Fähigkeit des Organismus nach, Vitamin D zu bilden. Daher gelten Menschen über 65 Jahre als Risikogruppe für einen Vitamin-D-Mangel.

Vitamin D ist maßgeblich am Einbau von Calcium in die Knochen und somit an der Härtung der Knochen beteiligt. Ein Vitamin-D-Mangel kann daher (mit-)ursächlich für Knochenerkrankungen wie Rachitis oder Osteoporose sein.

90 Prozent der Knochenmasse bilden sich bis zum Ende des Jugendalters. Eine gute Vitamin-D-Versorgung ist daher in Kindheit und Jugend besonders wichtig.

Ein niedriger Vitamin-D-Status geht mit einem erhöhten Risiko für Atemwegsinfekte einher.

Vitamin D wird in Kombination mit Kalzium zur Vorbeugung von Osteoporose empfohlen.

Säuglinge in Deutschland erhalten im ersten Lebensjahr in der Regel Vitamin D zur Vorbeugung von Rachitis (Knochenerweichung).

Rund 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind nicht optimal mit Vitamin D versorgt.

Auch knapp die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Ist nicht optimal mit Vitamin D versorgt.

Bestimmte dauerhaft eingenommene Medikamente erhöhen das Risiko für einen Vitamin-D-Mangel, zum Beispiel Antiepileptika.

Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen wie beispielsweise Zöliakie gelten als Risikogruppe für einen Vitamin-D-Mangel.

In Deutschland sind mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel verboten. Es gibt Ausnahmen unter anderem für Margarine – die Anreichung muss immer gekennzeichnet sein.

Vitamin-D-Mangel gilt als Risikofaktor für Osteoporose. Denn Vitamin D ist für die Knochenstabilität maßgeblich von Bedeutung.

Osteomalazie: Häufige Fragen

In der Regel veranlasst der Arzt zunächst eine Blutuntersuchung: Neben dem Vitamin-D-Spiegel werden auch die Calcium- und Phosphatwerte sowie ein bestimmter Enzymwert (alkalische Phosphatase) bestimmt. Zusätzlich können ggf. eine Biopsie (Entnahme von Knochengewebe) sowie bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen) infrage kommen.

Wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt, lässt sie sich in der Regel gut behandeln und kann völlig ausheilen. Falls bereits Knochenverformungen aufgetreten sind, können orthopädische oder chirurgische Therapiemaßnahmen erforderlich sein.

Damit die Knochen fest und stabil sind, müssen die Mineralien Calcium und Phosphat in ausreichendem Maße ins Knochengewebe eingelagert werden. Dieser Prozess wird auch als Knochenmineralisation oder Knochenhärtung bezeichnet. Eine verminderte Einlagerung von Calcium und Phosphat – zum Beispiel als Folge eines Vitamin-D-Mangels – führt dazu, dass die Knochen zunehmend weich werden und sich mit der Zeit verformen können. Dieses Krankheitsbild wird bei Erwachsenen als Osteomalazie bezeichnet. Tritt eine Knochenerweichung infolge eines Vitamin-D-Mangels im Kindesalter auf, sprechen Ärzte von einer „Rachitis“.

Unklare Knochenschmerzen können ein Anzeichen für Osteomalazie (Knochenerweichung) sein. In diesem Fall verordnet der Arzt in der Regel hochdosierte Vitamin-D-Präparate und eine gezielte Zufuhr von Calcium.

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